Social Media und Online Plattformen für Musiker

Musikern stehen im Internet zahlreiche soziale Netzwerke und Plattformen zur Verfügung, um Musikprojekte und sich selbst zu vermarkten. Da die Pflege entsprechender Sozialer Netzwerke viel Zeit in Anspruch nimmt, ist es wichtig zu wissen, welche Plattformen für welche Musiker die Richtigen sind und wie man sie für die eigene Musikpromotion effektiv einsetzt. Dieser Artikel bietet eine Übersicht über die wichtigsten Netzwerke und einen Einstieg für Musiker in das Thema Social Media und über Vorteile und Gefahren sozialer Netzwerke. Es empfiehlt sich grundsätzlich, auf mehreren Plattformen aktiv zu sein, es müssen jedoch nicht alle Social Media Kanäle, Communities und Netzwerke von jedem genutzt werden.

Im Musik-PR-Bereich stellen Soziale Medien eine Ergänzung zu den vorhandenen Marketingmaßnahmen dar, da Musik immer noch hauptsächlich über Emotionen vermittelt wird, was den persönlichen Kotakt zwischen Musikern und Journalisten unumgänglich macht. Weiterhin lässt sich nicht jedes Genre über jedes Medium bedienen. Manche Genres sind vorwiegend in Fachmedien, TV und Radio wiederzufinden.

Wo liegen die Vorteile der Nutzung von Social Media im Musik PR?

  • Fans sind näher am Künstler und „mit dabei“
  • direkter Kontakt und schneller Antwortfunktion erhöhen die Fanbindung
  • Informationen sind direkt für die Zielgruppe personalisierter, geringere Streuverluste
  • höhere Reichweite von Beiträgen, weil Artikel und Post in den Communities der Zielgruppen verbreitet werden – es entwickelt sich eine gewisse Eigendynamik in der Verbreitung von Inhalten -> Schneeballeffekt
  • Veröffentlichung mehrerer Medienarten gleichzeitig möglich
  • jede Information kann immer, überall und sofort veröffentlicht werden – und das sowohl spontan und ungezwungen von jedem Musiker selbst, als auch vom Bandmanagement innerhalb einer geplanten Strategie.

Gefahren von Social Media

  • Wird nicht schnell genug auf Kritik reagiert, kann sich daraus schnell ein Shitstorm entwickeln.
  • Journalisten und Presse ziehen sich die Informationen aus den direkten Künstlerkanälen, die Informationsverbreitung verläuft unter Umständen dezentral und lässt sich nicht mehr gut vom Management steuern. Das Bandmanagement wird bei der Informationserfassung umgangen und kann weniger schnell eingreifen.
  • ein strategisch ungeplanter Auftritt wird schnell unübersichtlich und erzeugt eine wenig authentische Wirkung beim Nutzer. Das Vertrauen in das Image kann dadurch angekratzt werden und dem Künstler im Zweifelsfall schaden.

 

Mit Facebook einfach jeden erreichen

Als wichtigstes Soziales Netzwerk mit den höchsten Mitgliederzahlen ist Facebook in allen Alters- und Zielgruppen vertreten und ein Muss für jeden Musiker. Diese können Künstlerprofile in Form von Fanseiten anlegen und sind als Selbständige oder angemeldete Gewerbetreibende inzwischen auch dazu verpflichtet, wenn sie Facebook beruflich nutzen möchten. Private Profile sind inzwischen ausschließlich der privaten Nutzung vorbehalten. Textpostings, das Verbreiten von Fotos, Videos und Live-Postings sind möglich. Veranstaltungen zu Shows und Konzerten können erstellt und Freunde, sowie Freunde von Freunden direkt dazu eingeladen werden. So kann man Konzertbesucher und Zielgruppen schnell und zielsicher abgleichen. Fanseiten können abonniert, geliked und zusätzlich ausführlich bewertet werden. Über die Kommentarfunktion ist jeder Zeit direktes Feedback und der Austausch mit Fans und Kollegen möglich. Es empfiehlt sich bei Posts immer ein Foto oder Video hochzuladen. Posts ohne Bildcontent gehen im Newsstream gnadenlos unter.

Ein weiterer Vorteil ist, dass Facebook Posts automatisch auf mehreren Seiten gepostet werden können, zumBeispiel von befreundeten Bands, Veranstaltern, Labels, Verbänden, Vereinen, etc. (Crosspostings), sowie ein (automatisches) Einbeziehen und Verknüpfen weiterer Sozialer Netzwerke wie Twitter, Instagram, YouTube, Flickt, Soundcloud. Vimeo, etc. möglich ist.

Soundcloud – ein Muss für Musiker

SoundCloud ist das wichtigste Netzwerk zur Veröffentlichung, Verteilung und zum Austausch von Musik. Die hochgeladenen Tracks können mit unterschiedlichen Berechtigungen für verschiedene Verwendungszwecke und Zielgruppen veröffentlicht werden, geteilt und geliked werden. Weiterhin kann man sich mit Profilen anderer User verknüpfen und ihnen folgen. Eine Abofunktion ist damit integriert. Über die direkte Kommentarfunktion ist ein Austausch mit Fans und Musikern, Produzenten, Managern, etc. möglich.

Musiker können Musik hochladen oder direkt nach der Anmeldung dort aufnehmen. Nach der Produktion oder dem Upload werden die Tracks als Stream oder zum Download bereitgestellt. Die Dauer der hochladbaren Musik orientiert sich an der Art des Accounts (Free oder  Premium). Ggf. ist ein kostenpflichtiges Upgrade notwendig.

Nicht vollendete Songs und Probeaufnahmen können mit anderen Musikern geteilt und zur freien Bearbeitung freigegeben werden. Das ist besonders für Musikschaffende sehr interessant und hilft bei kreativen Projekten und der Entwicklung neuer Songs und Sounds.

Twitter – wenn’s schnell und prägnant sein soll

Der Micro-Blogging-Dienst Twitter eignet sich gut zur Direktvermarktung und dem schnellen Nachrichtenaustausch mit Fans. Mit den bis maximal 140 Zeichen pro Nachricht bietet Twitter eine schnelle, umkomplizierte und aufs Wesentliche beschränkte Kommunikationsplattform. Tweets können durch Videos und Fotos ergänzt und mit Hashtags (#) markiert sowie an weitere User mit dem „At“-Zeichen (@) adressiert werden. So können z.B. schnell aktuelle News zu Albumveröffentlichungen oder Musikvideos geteilt werden oder einfach die Homepage fix verlinkt werden. Weiterhin kann man auf Konzerte der eigenen Band oder befreundeter Bands hinweisen. Witzige Bemerkungen aus dem Touralltag und lockere Erzählungen aus dem Bandleben, besonders schöne Momente oder die Lösung des ein oder anderen Problemchens interessieren Fans und kommen fast immer gut an.

Neben Fans kann man sich auf Twitter auch mit Musikern, Medienvertretern und Meinungsmachern verbinden, ihnen folgen und dadurch auf das eigene Profil aufmerksam machen. So lässt sich zügig ein umfassendes Kontaktnetzwerk aufbauen. Durch das Erstellen von Listen werden Beiträge anderer User gefiltert und man kann gezielt Beiträge verbreiten und Beiträge z.B. für Influncer und weitere spezielle Zielgruppen personalisieren.

Neueinsteigern hilft es meist, wenn sie erst einmal interessanten Personen folgen, deren Tweets beobachten und sich anhand der gemachten Erfahrungen und Beobachtungen anschließend eine eigene Strategie aufbauen. Twitter hat eigene Kommunikationsregeln und speziell dort verwendete Abkürzungen, die man als Twitter-User kennen sollte.

Zusätzlich kann man Twitter mit zusätzlichen Applikationen erweitern und in andere Programme einbinden.

Youtube – per Video fast live dabei und sehr authentisch

YouTube gilt als die größte und bekannteste Video-Community überhaupt. Die Plattform ermöglicht es Videos hochzuladen, die von anderen Usern angeschaut, bewertet und kommentiert werden. Zahlreiche Erweiterungen ermöglichen professionelle Aufnahmen, Effekte und kreative Videobearbeitung. Mögliche Beispiele für Band- und Musikervideos sind z.B. Konzertmitschnitte, Tourberichten und Backstage-Aufnahmen, Videointerviews, Vlogs (Videobogs), etc. Fans können somit indirekt an Proben „teilnehmen“ oder in die Videoproduktion einbezogen werden und sind quasi hautnah und fast live an ihren Lieblingsmusikern dran.

Wer einen eigenen Chanel für sich oder sein Musikprojekt auf YouTube anlegt, liegt klar im Vorteil und droht weniger in der Masse der auf YouTube millionenfach veröffentlichten Videos zu verschwinden. Zudem kann der eigene Channel abonniert werden und bekommt damit eine Newsletterfunktion. Fans und befreundete Bands sowie Kollegen werden über das Push-Prinzip über Neuigkeiten informiert und müssen sich nicht mehr selbst Informationen aus dem Netz ziehen. Für die Nutzung eines eigenen Channels und den Upload von Videos ist das Erstellen eines eigenen Kontos notwendig.

Wer noch mehr live und authentisch für seine Zielgruppe erreichbar sein möchte, kann die App Snapchat nutzen, um in sich selbst zerstörenden Kurzvideos Nachrichten an Fans zu senden und über das Bandleben live zu berichten.

Flickr – ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Flickr dient als Foto Sharing Plattform schon zu den Social Communities und bietet Musikern und Bands die Möglichkeit sich und ihre Musik über Fotos zu vermarkten. Das können Aufnahmen aus Proberäumen, Touren, abfotografierte Bandplakate, Interviews, Plattenkritiken, Schnappschüsse, Live-Aufnahmen, etc. sein

Die Bilder können veröffentlicht, sortiert, verwaltet und geteilt werden. Auch eine Veröffentlichung unter den Creative Commons ist möglich. Über die Weiterverwendung der hochgeladenen Bilder bestimmt der Nutzer selbst. Auch das Anlegen unterschiedlicher Nutzerkreise ist möglich. So können Bilder und Alben personalisiert veröffentlicht werden. Bilder können zum Beispiel als Pressematerial und in verschiedenen Auflösungen für die jeweiligen Berechtigungen angeboten werden.

Pinterest – Die Pinnwand für mehr Inhalte

Auf der digitalen Pinnwand Pinterest ordnet “Pins” (Bilder, Videos) beliebigen, vorher kategorisierten Boards zu. Alles andere funktioniert wie in anderen Social Media Kanälen auch: Man kann Folgen, Liken, Teilen und Kommentieren. Pinterest wird ein enormes Wachstum und Potential zugetraut und es bietet eine angenehme Usability und die Möglichkeit Informationen schnell zu erfassen und zu verteilen. Ideal für kreativ Arbeitende! Musiker können Pinterest nutzen, um kreative Einblicke in ihre Arbeit und Teilweise private Aspekte ihres Lebens zu geben. Das schafft Vertrautheit und hilft bei der Festigung eines authentischen Images. Gepostet werden können Liveaufnahmen, Schnappschüsse, Fotos von Musikinstrumenten, Tourbilder, Interviews, etc. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.

Bandcamp – Musik und Merchandise online vertreiben

Auf Bandcamp  können Musiker ihre Musik über das Internet vertreiben. Kostenmodelle sind Free, Freemium, Kostenmodelle oder Spendenmodelle. Merchandising-Produkte und Tonträger können ebenfalls vertrieben werden. Bezahlt wird über Paypal mit recht hohen prozentualen Gewinnabgaben an Bandcamp. Zusätzlich können im Rahmen der Promotion auch Konzerttermine veröffentlicht werden.

Online-Bandmanagement mit Bandpage

Bandpage wird meist als Management-Tool zur Verbreitung von Fotos, Videos, Musik, Konzertterminen, Newsletter-Abos, etc. genutzt und ist seit Anfang 2017 Teil von YouTube. Die Profilbearbeitung erfolgte bisher zentral über BandPage.com. Verknüpfungen mit SoundCloud und YouTube waren und sind weiterhin möglich.
Von Musikern wird BandPage vor allem aufgrund der unkomplizierten Bedienbarkeit und der   simplen Einbindung als App in andere Soziale Netzwerke genutzt. Zusätzlich ist eine Contenteinbindung auf der eigenen Homepage möglich.

Last.fm – Marktpositionierung, Konkurrenzanalyse und Selbstvermarktungsförderung

Das Angebot von Last.fm ist speziell auf Musiker und Bands zugeschnitten und bietet eine Mischung aus Social Community und Internet-Radiodienst. Es handelt sich hierbei grundsätzlich um ein Promotion-Tool und weniger um eine Plattform um sich mit Fans zu vernetzen. Nach der Registrierung als Musiker ist es möglich Musik, Bilder und Texte hochzuladen, Biografien zu veröffentlichen oder kostenlose Downloads anzubieten. Auch Konzertankündigungen und Tourplanungen sind möglich.

Ein sehr beliebtes Feature ist die Anzeige ähnlicher Künstler und Songs. Der Musiker oder die Band kann somit über den allgemeinen Musikgeschmack des Nutzers und über ähnliche musikalische Vorlieben gefunden werden. Ein Controlling und Feedback zum Erfolgsfaktor ist über Abrufstatistiken möglich. Für Werbeanalysen und Konkurrenzanalysen ist Last.fm hervorragend geeignet. Newcomer ohne festgelegte Strategie finden hier schnell ähnliche Bands und ähnliche Musiker und können sich auf diese Weise einen USP (Alleinstellungsmerkmal) herausarbeiten. Auch typische Schlagworte (Tags), Venue-Zugehörigkeiten und Vertreter spezieller Stilrichtungen lassen sich gut herausfiltern und daraus eine eigene Positionierung im Musikmarkt ableiten.

Mit Songkick als TourWidget Konzerte planen und transparent halten

Songkick ist ein Dienst, der Musikern das Erstellen synchronisierte Pflegen einer universellen Konzertdatenbank ermöglicht. Die auf Songkick erstellten Konzerttermine können auf der eigenen Homepage, einem WordPress-Blog oder auf bestehenden Profilen, wie BandCamp, Facebook und SoundCloud integriert werden. Alle Verknüpfungen werden bei Änderung der Daten automatisch aktualisiert. Ein weiteres Tool dieser Art sind Bandsintown oder Applauze.

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